»Fremde&Wunden« (Objekt-Lichtinstallation)

Werktitel: »Ich-ein Fremder« (für Stimme, Kammerorchester, 7.1-Surround-Tape, Liveelektronik und Licht)

Ich – ein Fremder ist eine Komposition/Installation, hinter der sich ein ganzer Komplex von Texten, Gedanken, Bilder verbirgt. Doch so vielschichtig die Assoziation, Bilder und Klänge wirken, immer kreisen sie um die Grundgedanken von Ferne und Nähe, die im Schaffen von Thomas Heyde zentral sind. Hierzu schreibt er: »Und der, der in einer kalten Bahnhofshalle plötzlich meinte, ein >zu Hause< zu spüren, ohne sagen zu können warum; und der, der wo viele meinten: hier ist >zu Hause< [...], eben dieses nicht empfand, der kann die Entdeckungsreise vielleicht verstehen oder erahnen, die ich gemacht habe[...]«. Gerade in der Abstraktion von Musik findet Heyde die Möglichkeit, diesen Gedanken vielschichtig und mehrdeutig nachzuspüren; die konkreteren Bild- und Textelemente ergänzen diese abstrakte Ebene zu einem Gesamten, in dem sich die einzelnen Bereiche gegenseitig durchdringen. Andererseits werden die zugrunde liegenden Texte fragmentiert, aus Sprache wird Klang und auch die Instrumentalklänge werden schließlich elektronisch verarbeitet und verfremdet.

(M. Demuth)

Textgrundlage:

Das Herbst, das Damals
FrostLaub
unter den Knien
Wissendes Brüllen! und
Die Milch einer Mutter
Rechtloses am Ohr
Rufts?
Sie schneidet leise sich mir…
Reich war ich
Voll Rufen WIR!

(Thomas C. Heyde, Luxor 2001)

Der halbe Mond ist eine Wiege
wer schaukelt sie hin?
Und das Kindlein im halben Monde,
wo träumt es nur hin?

Der halbe Mond ist eine Wiege,
wer schaukelt sie an?
Und das Kindlein im halben Monde,
für wen wächst es heran?

Der halbe Mond ist eine Wiege,
der Neumond kommt schon.
Und das Kindlein im halben Monde,
wer trägt es davon?

(Miguel de Unamundo, Paris 1930)

Anmerkungen:

Die Uraufführung von Ich-ein Fremder war mit einigen Schwierigkeiten verbunden, was mit dem hohen technischen Aufwand bei der Umsetzung von Installation und Komposition zu tun hat. Einiges Aufsehen erregte allerdings auch ein dpa-Korrespondent, der bei der Pressekonferenz anfragte, ob es den Tatsachen entspräche, dass während der Aufführung indizierte Rauschmittel versprüht werden sollten? (Man muss hierzu wissen, dass es Teil der Aufführung ist, »rauschhafte Düfte« im Saal zu versprühen.) Die etwas irritierten Veranstalter wendeten sich daraufhin an mich, wobei ich sie mit den Worten beruhigen konnte, dass keines der verwendeten Substanzen auf dem Index steht.

[…] etwas empört waren allerdings einige Besucher ob der Tatsache, dass Teil der Installation in Aquarienbecken gelegte Schweineherzen waren, die von an der Decke hängenden und mit Schwarzlicht beleuchteten Infusionsbeuteln betropft wurden. Teil dieses »zeitgenössischen Ärgernisses« (wie ein Pressevertreter schrieb) war die von mir nicht vorhersehbare Tatsache, dass das Ganze in einer Kirche stattfinden würde. (T. C. Heyde)

Widmung

»…den Händen, die mich trugen…«


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erstellt am 08.03.2008  |