Umgang-Aufstieg -Abgang

Um nahe liegenden symbolistischen Deutungen vorzubeugen, sei vorangestellt, dass die Komposition Umgang-Aufstieg-Abgang ihren Titel dem rein praktischen, zum Zeitpunkt aber leider noch nicht praktikablen Umstand verdankt, dass zwei der mitwirkenden Musiker in den Himmel fliegen sollten. Dies nicht im tieferen Sinne des Wortes, sondern (nur) durch Aufstieg in einem Heißluftballon. Auch wenn sich dieses Vorhaben schon vor Niederschrift der ersten Note als so kurzfristig nicht realisierbar erwies, blieb der Komposition dennoch der Titel erhalten - gleichsam als Erinnerung an »hochfliegende« Pläne …

Die Arbeit an Umgang-Aufstieg-Abgang begann als Lauschender. Nach Stücken mit aufwendiger Elektronik, deren Realistionsprozesse meist kaum weniger als ein dreiviertel Jahr dauerten, erschien es nötig, die Klänge neu zu begreifen: weniger Material, mehr Wesen. Ohne dass Pläne die Form vorbestimmt hätten, war es immer und immer wieder das Hören der aufgezeichneten Klänge (Schlagzeugklänge und Umweltgeräusche), ihre Zusammenfügung am Computer in ständig variierter Weise, sowie die jeweilige technische Manipulation, das Wege zur Form wies.

Entgegen also meiner sonstigen Vorgehensweise, hatte ich dann ein fertiges Tonband in Händen, ohne auch nur eine einzige Note der Instrumentalstimmen komponiert zu haben. Doch ebenso wie auch bei der Herstellung des Tonbandes, so lauschte ich auch hier erst wieder lange in das nun schon komplexere Klanggebilde hinein, bevor sich auch hier nach und nach die endgültige Gestalt für mich herauskristallisierte. Diese - teils kontrastierend, teilweise mit den Klängen und Geräuschen des Zuspielbandes zusammengehend und unter Umständen aber auch völlig autonom - teilt sich in zwei großformale Abschnitte (entsprechend den zwei Teilen des Tonbandes, mit einer Länge von 7 min., 14 sec. und 7 min., 07 sec.) die per analogiam wiederum in je zwei etwa gleichlange Abschnitte gegliedert sind. Der gesamtformale, pyramidenähnliche Aufbau, der sich um einen etwa einminütigen Instrumentalteil gruppiert und in seiner Anlage technische Erwägungen nahe legt, ist (jedoch) nahezu ausschließlich nach rein dramaturgisch-ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet.

Das existentielle Moment soll nicht verschwiegen sein (gleichwohl es müßig wäre es verbalisieren zu wollen und es hier auch nicht so sehr im Vordergrund steht wie bei anderen Stücken). Doch mehr füllt die Musik ihre Zeit mit Virtuosität; ist frisch, gelegentlich unbändig, wütend und entsetzt, aber auch vollkommen gelassen und bei sich selbst, geheimnisvoll - kurzum: Lebensversuche in Musik…

Thomas Chr. Heyde


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erstellt am 08.03.2008  |