rufen? nein, wollen!

Nein, Beschreibung von genau genommen imaginären Vorgängen - sei es als ein “sich er- oder verklären”, sei es im Sinne einer Übersetzung - ist und bleibt fragwürdig; und die nachgerade inflationär zu konstatierende Beschreibungswut wird auch nicht sinnfälliger in ihrer tausendfach proklamierten in Fragestellung bzw. in ihrer erklärten Verweigerung innerhalb von bestimmten Zusammenhängen: Bleibt doch die beschreibende Verweigerung Vollzug. Ohne dass dem der Sache zu Grunde liegenden infantilen Spieltrieb das kreative Potential abgesprochen werden soll, so plappert sich doch manche Marionette eines Zeitgeistes gelegentlich der Sprachlosigkeit entgegen und blumige Phrasendrescherei umschreibt die eigene Verklemmung. Doch Schweigen? Heute, jetzt?

Nein! Gemeint ist natürlich die Verhältnismäßigkeit, so es diese zwischen dem kommentierendem Wort und dem relativ hermetischen Ton grundsätzlich überhaupt gibt.
Und hier?

…rufen? nein, wollen!…

Es geht möglicherweise, vielleicht aber auch ziemlich sicher um rufen, um wollen im existentiellen Wortsinn. Die Sprache, die Gesten der Musik zögern und tasten sich fragmentarisiert vorwärts: Das Wollen gibt der Musik die Impulse ihres Rufens, ihres Auf-, An- und Zurufens. Der Wille zum Ruf, der auch manchmal Schrei ist, bricht sich im Raum. Die Ideenfragmente nutzen die Brechungen an der Reflektionsfläche des geometrischen Raumes und - dies besonders - des imaginären Innenraumes.

Doch für letzteres ist vor allem eines nötig: Zeit.

So geht die Musik lange ihre eigenen Wege, widersetzt sich einer Lenkung, verläßt ihre Pfade und geht Irrwege, bevor sie nach und nach ihren (meinen) Rufen folgt.

Willentlich!

Thomas Chr. Heyde


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erstellt am 08.03.2008  |